Reisegeschichten - vorgestern wie übermorgen

von Annerose Lohberg-Goelz

Slowenien    I II


Kräuter, Kunst und Klosterbrüder

Slowenien

In Gorica, einem kleinen Dorf in Slowenien, das damals noch zur Steiermark gehörte, wurde im Jahr 1906 ein Bub geboren. Seine Eltern waren sehr arm. Als Schmied konnte der Vater nicht genügend Geld für die kleine Familie verdienen, weshalb er nach Amerika auswanderte. Dort arbeitete er unter Tage und schickte ab und zu ein bisschen Geld nach Hause. Der Bub - er hieß Simon - hütete daheim die Kühe und Ziegen hinter dem armseligen Häuschen und knabberte derweil an den Kräutern und Sträuchern, die dort wuchsen. Er dachte: Wenn die Tiere davon leben können, müssten doch auch die Menschen etwas davon haben!

Castello di Gorizia - Vista SUD OVEST

Bald konnte er Heilkräuter von anderen Gewächsen unterscheiden. In der Schule, einem Trapisten-Kloster, lernte er auch die Bezeichnungen. Der Unterricht bei den Mönchen und das Leben dort gefielen dem kleinen Simon sehr. Er war ein guter Schüler. Im Gymnasium zu Sittich bestand er sein Abitur mit Auszeichnung und studierte danach in der Hauptstadt Ljubljana Theologie. 1924 wurde er Novize bei den Zisterziensern und 1945 war er bereits Prior im Kloster Sittich (heute Sticna). Dort lebte und wirkte er fortan bis zu seinem Tod im Jahr 1992. Es wäre ein ganz normales asketisches Mönchsleben gewesen, wenn er nicht eine besondere Gabe besessen hätte.

Schon zu seinen Lebzeiten war Pater Simon Asic in seiner Heimat eine Legende: Sein großes Wissen über Heilpflanzen, die zu studieren er nie aufgegeben hatte, zog Kranke und Bedürftige aus dem ganzen Lande an. Er konnte zuhören und hatte für jeden, der zu ihm kam, einen Kräutertee oder eine Tinktur bereit, die half. Drei Heilbücher hat Pater Simon geschrieben und darin ganz genau aufgeführt, worauf man bei welcher Krankheit zu achten hat und wie man die richtige Kräutermischung selbst zusammenstellen oder sich beim Apotheker mischen lassen kann.

Aus den Aufzeichnungen und Büchern und aus dem großen Wissensschatz von Pater Simon hat ein renommierter deutscher Verlag ein Nachschlagewerk mit Rezepturen zusammengestellt und übersetzen lassen. Es heißt ganz einfach "Pater Simons Hausapotheke".

Wenn man heute das Zisterzienserkloster in Sticna besucht, ist man sofort gefangengenommen von der Ruhe und Schönheit der großen Anlage in strahlendem Weiß. Hier leben nur noch zwölf Mönche, ein paar Novizen und Angestellte. Gäste sind immer willkommen. Zu manchen Zeiten finden sich Gruppen aus aller Welt zu Exerzizien und Seminaren zusammen. Man diskutiert Ehe- und Familienprobleme, erfährt aber auch immer viel über Pater Simons Heilkräuter und wie man sie anwendet. Man wohnt in einfachen Zimmern im Kloster, darf bei der Herstellung der Salben und Tinkturen zuschauen und kann diese in der modernen Apotheke bei Pater Kukmann auch preiswert kaufen. Die Mönche keltern aus ihrem eigenen Weinberg einen hervorragenden Biowein und stellen auch Slovowitz sowie einen süßlichen Nussschnaps her. Den dürfen die Padres allerdings selbst nur am Sonntag trinken.

Kloster Sticna ist das älteste in Slowenien. Die wunderschöne romanische Basilika stammt aus dem Jahre 1156, das Kreuzganggewölbe ist reine Gotik. Es gibt eine spätbarocke Abtskapelle und ein Museumszimmer von Pater Simon, in dem noch sein Pendel hängt und Handschriftliches ausgestellt ist. Die Mönche, von denen einige deutsch sprechen, führen Gäste gern durch die Anlage und die Kräutergärten, wenn man sich vorher anmeldet.

Es ist erstaunlich, wie sich Slowenien in den letzten zehn Jahren entwickelt hat. Klugerweise hat sich das Land seinerzeit nicht am Krieg im früheren Vielvölkerstaat Jugoslawien beteiligt. Es gab lediglich ein paar Scharmützel an der Grenze zu Kroatien - und nach elf Tagen war wieder Ruhe im Land. Slowenien ist seit 1991 ein eigener Staat. Sehr wohlhabend war niemand, aber man hatte hohe schneebedeckte Berge, klare Seen und Mineralquellen, eine weltberühmte Pferdezucht und insgesamt eine wunderschöne unzerstörte Landschaft. Sehr behutsam und wohlüberlegt begann man dieses Erbe zu nutzen und auszubauen.

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